30 Oktober 2006

Wochenschau

So, mal wieder Zeit für eine Wochenschau, gell?

Montag
Ich arbeite z. Zt. in einem Projekt, das das Ziel hat, neue deutsche und französische KollegInnen für meine Abteilung zu finden. Wenn ihr jemand wisst: Sagt Bescheid...

Dienstag
Ich hab meinen Weihnachtsflug gebucht: Vom 23.12. bis 1.1. bin ich in und um München! Hat schon jemand gute Pläne für Silvester?

Mittwoch
Direkt bei mir um die Ecke hat ein riesen Gym aufgemacht, und so bin ich wieder schwach geworden und beigetreten. Es ist aber toll, weil alles nagelneu ist und noch nicht viele Leute hingehen. Mal sehen, wie lang das so bleibt (und wie lang ich regelmäßig hingehe)...

Donnerstag
Mit diesem lustigen Video hab ich heute versucht, das Deutschlandbild meiner Kollegen zu erweitern:

Ansonsten bin ich jetzt im Social Committee for Ambassadors aktiv (das sind Kollegen aus anderen Google-Büros, die hier ein paar Monate auf Austausch sind). Heute haben wir uns "The Queen" angeschaut, was natürlich eine super europäische Erfahrung ist. Es geht um den Tod von Prinzessin Diana und den Versuch der königlichen Familie, das ganze auszusitzen. Am Schluss überredet der heldenhafte junge Premierminister die Königin, trotz aller protokollarischer Bedenken an der Trauerfeier teilzunehmen. Gut gemacht, hervorragende Schauspieler und für mich als Zeitzeugen sehr bewegend. (Und es kommen Dudelsäcke vor, was bei der Riesenmaschine schon mal einen Pluspunkt gibt.) In Deutschland ab 11. Januar.

Freitag
Mein großer Auftritt in unserem deutschen Teammeeting, wo ich drei von 5 Tagesordnungspunkten bestreite (hat sich so ergeben). Meetings dauern hier übrigens grundsätzlich so lang wie geplant (oder kürzer) und haben eine Agenda, an die sich alle halten. Manchmal werden auch lustige Videos gezeigt (s.o.).

Nach der Arbeit gab es einen sehr netten Pub-Abend mit meiner Abteilung, allerdings aus traurigem Anlass: Zwei Kollegen haben Abschied gefeiert.

Samstag
Tagesausflug nach Newgrange mit den Ambassadors. Lohn sich auf alle Fälle, zweimal hinzuschauen, und ist natürlich etwas, das man Besuchern zeigen muss.

In meinem Vergleich Deutschland-Irland hätte ich noch auf das Trinkwasser eingehen sollen. Das ist ja in München überaus gut. Hier kostet es nichts (!), ist aber so stark gechlort, dass man es auch nicht trinken mag. Habe mir jetzt einen (deutschen) Wasserfilter gekauft und schau mal, wie sich das bewährt.

Sonntag
DVD-Abend bei den indischen Ambassadors. Wir haben den Bollywoodklassiker Lagaan gekuckt und lecker indisch gegessen. Der Film macht natürlich noch mehr Spaß, wenn man ein paar Inder dabei hat, die einem die kulturellen Besonderheiten erklären (, und die Kricketregeln beherrschen).

Montag
Bank Holiday in Irland, und so hatte ich heute einen faulen Tag zuhause.

18 Oktober 2006

Gut: Riesenmaschine

Die Riesenmaschine zu loben, ist nicht sehr originell, da sie schon vor längerem einen Grimme-Preis gewonnen hat. Ich kannte sie aber noch nicht und hab sie jetzt erst entdeckt. Absurde, teilweise glänzend geschriebene Beiträge. Für mich als geplagten Spiegel online-Leser ist es erfreulich zu sehen, wie in der Riesenmaschine auch grammatikalisch gewagte Sätze heil im Ziel ankommen.

Fein ist auch die "Automatische Kulturkritik" in der rechten Spalte. Hier werden Filme anhand einer Checkliste mit grotesken Plus- und Minus-Kriterien bewertet. Aus der Differenz ergibt sich der Gesamtwert. Beachtet, dass ihr mit der Maus über die Nummern rollen müsst, um die Kommentare zu lesen. Wir üben das mal:
AUTOMATISCHE KULTURKRITIK
"The Departed", Martin Scorsese (2006).
Plus: 3, 11, 31, 35, 37, 79, 82, 88, 89
Minus: 54 x 2, 75, 111, 132
Gesamt: 4 Punkte


PS: Wieso gibt es eigentich so wenige deutsche Websites, die international (oder auch nur national) für Aufsehen sorgen? Mir fällt sonst gerade nur noch carstuckgirls.de ein, das mal einen Webby Award gewonnen hat.

10 Oktober 2006

Nicht anschauen: The Departed

Drei Stunden Lebenszeit (+ eine Stunde Heimlaufen vom Kino) hab ich dafür verwendet, mir "The Departed" von Martin Scorsese anzuschauen. Der Film ist anscheinend ein Oscar-Kandidat, er ist aber wirklich nicht gut. Ein Ganove wird als Spitzel in die Polizei eingeschleust und ein Polizist zu den Ganoven, ohne dass beide zunächst etwas davon merken. Sie verlieben sich sogar in die gleiche Frau. Am Ende kommt heraus, dass der Oberganove auch rgendwie ein Spitzel ist (Achtung, Spoiler), das ist aber auch schon egal, weil sowieso alle erschossen werden. Bei Titus Andronicus, wo am Schluss auch so gut wie jeder tot ist, hat man das Gefühl, dass zumindest teilweise die Gerechtigkeit wiederhergestellt wird und etwas neues , möglicherweise besseres entsteht. Das ist bei "The Departed" nicht so.
Das alles würde im Zweifelsfall niemand daran hindern, in ein paar Jahren "The Departed II: The Return" zu drehen, wenn der Film erfolgreich ist. Also lieber gleich nicht anschauen, stattdessen lieber etwas mit Google Video spielen, das ist auch unterhaltsam. Oder ein gutes Buch lesen.

Bestes Zitat übrigens: "Ths is one race of people for whom psychoanalysis is of no use whatsoever" (Sigmund Freud über die Iren - die Ganoven sind nämlich irischstämmig).

07 Oktober 2006

London

Letztes Wochenende war ich nach längerer Zeit mal wieder in London,
was von Dublin aus ein idealer Kurztrip ist. Gewohnt habe ich im easyHotel, das von außen ganz normal aussieht,
von innen aber etwas von einem japanischen Kapsel-Hotel hat. Mein Zimmer bestand nur aus einem Bett und einem kleinen Waschraum ("tiny loo"), Luxus wie Fenster gab es nicht.
Hat mir aber gut gefallen und ist natürlich (für Londoner Verhältnisse) relativ billig. Für 70€ pro Nacht darf man sogar zu zweit übernachten, das sollte man aber nur mit Leuten machen, die man sehr gern hat, weil es eben eng ist und auch nur eine Decke gibt... Gut ist, dass direkt neben dem Hotel ein 24-Stunden-Sainsbury (Supermarkt) ist, der ungefähr so groß wie Dublin ist.

Anlass für die Reise war aber, dass ich mal wieder ins Theater gehen wollte, und so war ich in The Producers, einem Musical über zwei Produzenten, die eine möglichst erfolglose Show produzieren möchten und dabei auf "Springtime for Hitler" verfallen, das von einem Altnazi komponiert wurde. Sie verpflichten den schlechtesten Regisseur und die schlechtesten Schauspieler der Stadt und die Show - wird ein Riesenerfolg. Seht euch die Website an, da hört ihr auch ein bisschen was vom Titelsong.

Außerdem war ich endlich mal im Globe Theatre, das ich bis jetzt nur von einer Führung kannte. Dort gab es Titus Andronicus, das blutrünstigste, umstrittenste Stück von Shakespeare.
Dank an Rupert, der unter anderem "Masala Zone", eine kleine Kette günstiger Inder, empfohlen hat.

Meine Tipps:
  • Wenn ihr ins easyHotel geht, merkt euch, dass die Nachtlinie 97 (ab Trafalgar Square) fast vor der Tür hält. Die U-Bahn fährt nur bis Mitternacht, und danach versucht jeder, eins der schönen schwarzen Taxis zu erwischen.
  • Ryanair verkauft um 5 Pfund reduzierte Tickets für den Stansted Express. Preisfrage: Wenn man mit einer anderen Fluglinie aus München ankommt, lohnt es sich u.U., ein günstiges Ryanair-Ticket zu kaufen, um in den Genuss des Rabatts zu kommen?
  • Ein ganz toller Lebensmittelmarkt ist der Borough Market. Neben Lammsouvlaki und Schweinsköpfen wird dort auch Bier aus aller Welt verkauft. So kam ich doch noch zu einem Hacker-Oktoberfestmärzen.
  • Selfridges ist ein unterschätztes Kaufhaus, in dem es viele schöne Sachen gibt. Ich hätte beinahe für 500 Pfund den schönsten Regenmantel der Welt gekauft. Wenn ich mal Dotcom-Millionär bin, hole ich das nach. (Aufgrund eines alten Schwures gibt es in Dublin keine Regenmäntel zu kaufen).
  • Schöner Reiseführer: City Secrets London.

05 Oktober 2006

Hier bloggt der Gast (2): Katharina

Vor auch schon wieder zwei Wochen war Katharina aus Frankfurt zu Besuch und hat einen netten Beitrag in ihrem Blog verfasst. Lesenswert! Außerdem mit hervorragendem Ziegenfoto; das ist aber schon gar nicht mehr aus Dublin.

04 Oktober 2006

Was in Deutschland besser ist als in Irland

Liebe Deutsche!

Auch wenn ich neulich Irland über den grünen Klee (haha) gelobt habe, heißt das nicht, dass es in Deutschland nicht ebensoviel Gutes gibt, auf dass wir stolz sein können. Um einer drohenden Auswanderungswelle zuvorzukommen, hier also einige Dinge, die in Deutschland besser sind:

  • Brot. Dank der Firma Life Fibre gibt es hier zumindest ein paar Brote, die nicht nur schwammige Ansammlungen leerer Kohlehydrate sind. Aber es stimmt doch, was alle Auslandsdeutschen sagen, dass das deutsche Brot besonders gut ist und man es im Ausland so nicht bekommt. Es ist erstaunlich, dass sich die Hofpfisterei im Land der Essensgeizer so wacker hält. Weiter so!
  • Öffentliche Verkehrsmittel. Dublin ist ungefähr so groß wie Frankfurt, hat aber nur eine S-Bahn-Linie, die an der Stadt vorbeifährt. Seit letztem Jahr gibt es außerdem zwei ultramoderne Trambahnlinien. Der Großteil des Verkehrs wird mit Bussen abgewickelt oder gleich zu Fuß. Münchner: Wenn ihr mal wieder über den MVV schmipft, überlegt euch mal, dass es hier normal ist, jeden Tag eine halbe Stunde in die Arbeit zu laufen.
  • Überhaupt die Infrastruktur. Weil die Steuern niedrig sind (und das Land lange arm war), herrscht hier noch großer Nachholbedarf. Bin gespannt, wie schnell sich das ändert.
  • Banken. Deutsche Banken, bitte expandiert nach Irland! Das Konzept der Überweisung - eine deutsche Erfindung - ist hier weitgehend unbekannt, man kann aber, glaube ich, Leuten Geld überweisen, die zufällig bei der gleichen Bank sind. Was das online-Banking angeht, hat Deutschland etwa 10 Jahre Vorsprung. Wenn ich Geld nach Deutschland überweise, muss ich in meine Bankfiliale (!) gehen und dort ein Din-A4-Formular ausfüllen.
  • Umweltschutz. Unter jungen Iren wird Deutschland bewundert, weil bei uns mal die Grünen mitregiert haben. Hier gibt es zwar viel schöne Natur, aber noch sehr wenig Bewusstsein dafür, dass man sie auch schützen muss. Ich denke, dadurch, dass bei uns viel mehr Menschen leben, sind die Fragen früher drängend geworden.
  • Opern und Theater. Das deutsche System der Theaterförderung ist wunderbar und weltweit einmalig. Hier gibt es offenbar keine oder nur wenig Fördergelder, so dass im Opernhaus auch nur zweimal im Jahr je zwei Opern gespielt werden und ansonsten Musicals und Riverdance. Theater gibt es hier ganz gute, aber ich denke, in vielen kleineren deutschen Städten (Regensburg!) hat man genau so viel Auswahl.
  • Das Gesundheitswesen. Ich war hier noch nicht so richtig krank, aber nach allem, was man hört, ist das auch keine gute Idee. Man kriegt relativ günstig eine private Krankenversicherung, aber wer die nicht hat, bekommt wohl nur eine sehr grundlegende Versorgung. Insgesamt kann sich unser viel gescholtenes deutsches System schon sehen lassen.
  • Biergärten. Obwohl es in Irland im Sommer viel länger hell ist als in Deutschland (und auch durchaus nicht immer regnet), hat sich hier keinerlei biergratenkultur entwickelt. Die entsteht erst jetzt, seit das Rauchen in den Pubs verboten ist. Somit sind die Biergärten gleichzeitig auch die Raucherzonen. In München viel schöner.
  • Zuverlässigkeit von Dienstleistern. Die mañana-Philosophie, die man eigentlich eher in Spanien erwartet hat, wird auch hier hochgehalten. Handwerker brauchen ewig, um mal vorbei zu kommen, und wenn sie es tun, kriegen sie auch nicht immer alles gebacken. Briefe gehen verloren oder werden nicht bearbeitet. Meinen DSL-Anschluss hab ich dreimal bestellt, meine Maestro-Karte ebenso. Da sieht man mal, wie schön es ist, wenn man in Deutschland einen Termin ausmacht und der dann tatsächlich so stattfindet.
Wenn ich's mir überlege, werde ich sogar diesen Beitrag auf den 3.10. zurückdatieren. Das passt doch...