07 März 2015

Konzertsaaldebatte

Inzwischen ist es ja anscheinend einfach, gute Konzertsäle zu bauen, aber will man das auch? In der Süddeutschen war ein interessantes Interview mit dem Hornisten Wolfgang Gaag, der sich für den Gasteig ausgesprochen hat: Dort sei ein "hochdifferenziertes Musizieren möglich, das sich dem Publikum unmittelbar mitteilt... Das hängt auch vom Dirigenten ab - ob er dafür sorgt, dass diese Qualität des differenzierten Klanges entsteht."
Newcastle (links im Hintergrund das Konzerthaus)
Ich war diese Woche einen Tag zu Forschungszwecken in Newcastle (mehr Fotos hier), was sich als sehr nett erwiesen hat. Seit 2004 gibt es dort ein schickes Konzerthaus namens Sage Gateshead, über das aber nicht viel Aufhebens gemacht wird, weil es in diversen anderen Städten (z.B. Birmingham und Manchester) auch neue und ancheinend noch tollere Konzertsäle gibt. Es hat drei Säle - der große ist dem Wiener Musikverein nachgeahmt (wie es anscheinend inzwischen Standard ist). Die kleinere Hall Two ist dagegen der einzige zehnseitige Konzertsaal der Welt.

im Inneren - Konzertsaal unter der Außenhülle
Hall One
Hall Two
Weil es gerade gut gepasst hat, bin ich in eine späte Aufführung von Rachmaninows Vesper in Hall Two gegangen, die auch tatsächlich sehr fein war. Bestand nur aus Chor, und weil ich einen billigen Platz hatte, saß ich direkt über dem Chor und dem Dirigenten gegenüber (, hab aber trotzdem nicht mitgesungen). Das Ganze hat in dem Saal sehr gut gewirkt - gute Akustik und wahrscheinlich passender als in einem großen Saal.

Schlussapplaus
Also: nicht nur perfekte Konzertsäle bauen, sondern auch mal was ausprobieren?

In London wird übrigens auch über einen neuen Saal diskutiert - wird interessant, das mit München zu vergleichen.