04 Oktober 2006

Was in Deutschland besser ist als in Irland

Liebe Deutsche!

Auch wenn ich neulich Irland über den grünen Klee (haha) gelobt habe, heißt das nicht, dass es in Deutschland nicht ebensoviel Gutes gibt, auf dass wir stolz sein können. Um einer drohenden Auswanderungswelle zuvorzukommen, hier also einige Dinge, die in Deutschland besser sind:

  • Brot. Dank der Firma Life Fibre gibt es hier zumindest ein paar Brote, die nicht nur schwammige Ansammlungen leerer Kohlehydrate sind. Aber es stimmt doch, was alle Auslandsdeutschen sagen, dass das deutsche Brot besonders gut ist und man es im Ausland so nicht bekommt. Es ist erstaunlich, dass sich die Hofpfisterei im Land der Essensgeizer so wacker hält. Weiter so!
  • Öffentliche Verkehrsmittel. Dublin ist ungefähr so groß wie Frankfurt, hat aber nur eine S-Bahn-Linie, die an der Stadt vorbeifährt. Seit letztem Jahr gibt es außerdem zwei ultramoderne Trambahnlinien. Der Großteil des Verkehrs wird mit Bussen abgewickelt oder gleich zu Fuß. Münchner: Wenn ihr mal wieder über den MVV schmipft, überlegt euch mal, dass es hier normal ist, jeden Tag eine halbe Stunde in die Arbeit zu laufen.
  • Überhaupt die Infrastruktur. Weil die Steuern niedrig sind (und das Land lange arm war), herrscht hier noch großer Nachholbedarf. Bin gespannt, wie schnell sich das ändert.
  • Banken. Deutsche Banken, bitte expandiert nach Irland! Das Konzept der Überweisung - eine deutsche Erfindung - ist hier weitgehend unbekannt, man kann aber, glaube ich, Leuten Geld überweisen, die zufällig bei der gleichen Bank sind. Was das online-Banking angeht, hat Deutschland etwa 10 Jahre Vorsprung. Wenn ich Geld nach Deutschland überweise, muss ich in meine Bankfiliale (!) gehen und dort ein Din-A4-Formular ausfüllen.
  • Umweltschutz. Unter jungen Iren wird Deutschland bewundert, weil bei uns mal die Grünen mitregiert haben. Hier gibt es zwar viel schöne Natur, aber noch sehr wenig Bewusstsein dafür, dass man sie auch schützen muss. Ich denke, dadurch, dass bei uns viel mehr Menschen leben, sind die Fragen früher drängend geworden.
  • Opern und Theater. Das deutsche System der Theaterförderung ist wunderbar und weltweit einmalig. Hier gibt es offenbar keine oder nur wenig Fördergelder, so dass im Opernhaus auch nur zweimal im Jahr je zwei Opern gespielt werden und ansonsten Musicals und Riverdance. Theater gibt es hier ganz gute, aber ich denke, in vielen kleineren deutschen Städten (Regensburg!) hat man genau so viel Auswahl.
  • Das Gesundheitswesen. Ich war hier noch nicht so richtig krank, aber nach allem, was man hört, ist das auch keine gute Idee. Man kriegt relativ günstig eine private Krankenversicherung, aber wer die nicht hat, bekommt wohl nur eine sehr grundlegende Versorgung. Insgesamt kann sich unser viel gescholtenes deutsches System schon sehen lassen.
  • Biergärten. Obwohl es in Irland im Sommer viel länger hell ist als in Deutschland (und auch durchaus nicht immer regnet), hat sich hier keinerlei biergratenkultur entwickelt. Die entsteht erst jetzt, seit das Rauchen in den Pubs verboten ist. Somit sind die Biergärten gleichzeitig auch die Raucherzonen. In München viel schöner.
  • Zuverlässigkeit von Dienstleistern. Die mañana-Philosophie, die man eigentlich eher in Spanien erwartet hat, wird auch hier hochgehalten. Handwerker brauchen ewig, um mal vorbei zu kommen, und wenn sie es tun, kriegen sie auch nicht immer alles gebacken. Briefe gehen verloren oder werden nicht bearbeitet. Meinen DSL-Anschluss hab ich dreimal bestellt, meine Maestro-Karte ebenso. Da sieht man mal, wie schön es ist, wenn man in Deutschland einen Termin ausmacht und der dann tatsächlich so stattfindet.
Wenn ich's mir überlege, werde ich sogar diesen Beitrag auf den 3.10. zurückdatieren. Das passt doch...

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Dem Ganzen mag ich jetzt doch auch noch ein paar „nordostdeutsche“ (ganz recht, aus dem ärmsten Bundesland, das kaum einer in Süddeutschland kennt, wo alle NPD wählen und dann noch ehemalige Zone :-)) Aspekte hinzufügen, da mir der Vergleich doch ein bißchen einseitig „südwestdeutsch-irisch“ geprägt zu sein scheint. Erlaube mir daher, auf die einzelnen "sind in Irland besser"-Punkte einzugehen.

Das Wetter. Die deutsche Ostseeküste liegt ungefähr auf dem gleichen Breitengrad wie Dublin! Daher ist es auch hier im Sommer erst nach 23 Uhr richtig dunkel und dafür schon um 4:30 wieder hell. Das Klima ist insgesamt mild und das Meer vor der Haustür ist im Sommer auch nicht kälter als die bayerischen Baggerseen. Im Herbst gibt’s großartigen Wind, bei dem man ziemlich gut Drachen steigen lassen kann (fast so schön, wie Skifahren :-)). Dauerregen, wie in München gibt’s hier auch eher nicht, eher das typische Küstenklima, wo mal ein Schauer durchzieht und dann ist’s auch wieder gut.

Die Gegend. Ziemlich unberührt und dünn besiedelt (M-V hat in etwa so viele Einwohner wie München und Augsburg zusammen): Steilküste, Sandstrand mit feinem weißem Sand, große Flächen zusammenhängender Moorseen und alte Hansestädte, Störche, die einem direkt über den Kopf fliegen und Eulen die auf der Straße stehen, Seehunde in der Sonne, Reiher und andere Zugvögel in Schwärmen. Berlin und Hamburg sind auch nicht weit.

Die Leute. Sind auch hier deutlich freundlicher als in München und ebenso unkompliziert (nicht auszudenken, daß man in München regelmäßig beim Einkaufen, auch in den großen Kaufhallen, mehr als ein „Bitte“, „Danke“ und „Tschüss“ wechselt). Insgesamt ist der Umgang untereinander deutlich entspannter und weniger von Förmlichkeiten Verhuschtheiten und Obrigkeitsgläubigkeiten geprägt. Und ganz ehrlich: Leute kennenlernen ist in München auch nicht leichter und das Gemecker, wie schlecht es uns allen geht, ist hier auch nicht größer.

Der Arbeitsmarkt. Die Wirtschaft brummt zwar nicht auf dem Niveau, wie in manchen ehemals westdeutschen Städten und die Arbeitslosigkeit ist die höchste in ganz Deutschland. Dennoch ist Mecklenburg-Vorpommern mittlerweile in der absurden Lage, daß Fachkräftemangel herrscht, manche Betriebe ihre Stellen nicht besetzen können und manche Gemeinden Wiederansiedelungsprämien in erheblicher Höhe bezahlen.

Die Rahmenbedingungen für Investoren: Die Ansiedelung von Unternehmen und die Attraktivität für Investoren scheint mir nicht hauptsächlich an der Höhe der Steuersätze zu liegen. Sondern eher an dem Subventions- und Fördermittelzirkus, den wir und die EU (teilweise im Wettbewerb der Bundesländer gegeneinander) veranstalten. Da kann es sich schon mal lohnen, ein Unternehmen anzusiedeln, die Fördermittel abzugreifen, nach der üblichen Abschreibungsdauer wieder zuzumachen und erneut Fördermittel im nächsten Bundesland abzugreifen.

Die Wirtschaft. Weil hier alles ein bißchen persönlicher und hemdsärmeliger ist,
kann man durch Kreativität und intelligente Lösungen purer Größe alteingesessener Unternehmen noch was entgegensetzen, was im „Westen“ von vorneherein als Blödsinn und „das haben wir noch nie so gemacht“ abgetan würde. Also insgesamt: „Klein aber Fein“.

Fertiggerichte: Eigentlich nicht notwendig, wenn ich mir zwei fangfrische Fische für 5 € kaufen kann und ein paar slow food Lokale in der Nähe habe.

Die Supermärkte. Auch hier haben die Supermärkte teilweise am Sonntag geöffnet, auch wenn prinzipiell um 18:00 die Gehsteige hochgeklappt werden.

Historische Zeugnisse.Es finden sich eine ganze Reihe von megalithischen Grabanlagen aus der Zeit 3000 v. Chr. Die Wikinger waren auch mal da, Störtebecker, Lilienthal und Schliemann kommen von hier. Die jüngere Geschichte bietet auch einiges, angefangen von der Zeit als Badeurlaub an der Ostsee ziemlich schick war, über die diveresn Hinterlassenschaften aus dem "tausendjährigen Reich" (Pennemünde, Prora, etc..)