30 Mai 2026

Drei Stunden Kreuzfahrt

Ich bin in Hamburg und war gerade auf der kürzesten Kreuzfahrt der Welt - nämlich genau genommen einer Schiffsbesichtigung, die drei Stunden gedauert hat und zumindest ein leckeres Essen beinhaltet hat.

Ich hege ja immer noch den Gedanken, irgendwann mal eine große Kreuzfahrt zu machen, idealerweise als Weltreise, um möglichst viele der Ecken, die ich noch nicht gesehen habe, mal zu besuchen. Wenn man das recherchiert, landet man schnell bei Phoenix, einem deutschen Veranstalter, der wohl recht gute Routen im Angebot hat. Zumindest gut gebucht sind sie: Für eine Reise ab Dezember 2027 sind schon fast alle Kabinenkategorien ausgebucht...

Also muss das Ganze gut und langfristig vorbereitet werden. Da war es interessant zu sehen, dass man die Phoenix-Schiffe besichtigen kann, während sie im Hafen liegen. So kam es zu der heutigen Aktion. Die 55€, die der Spaß gekostet hat, würden mir sogar angerechnet, wenn ich mal eine Phoenix-Kreuzfahrt buche.

Mehr oder weniger zufällig hab ich mich für die Amadea entschieden, das kleinste Phoenix-Schiff (max. 594 Passagiere) und aktuelle ZDF-Traumschiff. Wirkt gemütlich und elegant, es gibt diverse Restaurants, ein Kino, eine Bibliothek und ein Deck, an dem man einmal ums Schiff laufen kann (370 m). Weniger spektakulär, aber auch entspannter als die AIDAnova, auf der ich damals war (5.000 Passagiere...). 

 

Bibliothek 

Zum Essen wurden wir fröhlich zusammengewürfelt und ich hab mich nett mit einigen Kreuzfahrt-Enthusiasten unterhalten. So hab ich gelernt, dass auch eine kurze Kreuzfahrt durch starken Seegang zunichte gemacht werden kann (ok, unsere nicht, aber mein Nachbar war 3 Tage auf Karibik-Kreuzfahrt) und dass das schönste Schiff die Europa ist. Insgesamt waren 120 Leute für die Besichtigung an Bord, durchaus gemischten Alters. Phoenix hat aber wohl einen Ruf dafür, viele ältere Leutchen an Bord zu haben, und es soll sogar Senioren geben, die ganz auf Kreuzfahrtschiffen leben, weil es billiger ist als Pflegeheim. Auch eine Option!

 

war sehr schmackhaft 

Die Besichtigung lief ansonsten so, dass man 3 Stunden lang frei auf dem Schiff herumlaufen konnte. Einige Kabinen in verschiedenen Preiskategorien waren extra für die Besichtigung geöffnet, während der Rest des Schiffes für die neuen Gäste hergerichtet wurde. So konnte man auch in ein paar Suiten schauen, die teilweise einen eigenen Whirlpool haben...

Wenn ihr mehr wissen wollt: Kuckt nicht "Traumschiff", sondern "Verrückt nach Meer" in der ARD - das spielt auf (anderen) Phoenix-Schiffen. 

Ansonsten habe ich heute Abend noch einen interessanten Landgang: Ich hab eine Karte für die Elbphilharmonie ergattert und höre dort englische Musik.

16 Mai 2026

Ask (Jeeves)

Ich erzähle nicht mehr oft davon, weil seitdem so viel passiert ist, aber: mein erster Job nach dem Studium war tatsächlich bei einer amerikanischen Suchmaschine, die damals noch Ask Jeeves hieß. Im Jahr 2000 bin ich als einer von drei Deutschen nach einem Vorstellungsgespräch per Videokonferenz (!!) eingestellt worden, um Ihnen zu helfen, den deutschen Ableger zu etablieren. Ich hatte mich sehr darauf gefreut, weil es ein interessantes Konzept war (man stellt eine Frage und es gibt menschlich kuratierte Antworten dazu). Außerdem war und bin ich großer Fan der Jeeves-Romane von P.G. Wodehouse. Jedenfalls sollte ich erst für ein paar Monate zur Einarbeitung ins Silicon Valley kommen, danach würde in Deutschland das Geschäft aufgenommen.

Leider wurde nur nichts aus dem Ganzen: Nachdem ich meine Wohnung weiter vermietet und Abschied gefeiert hatte, erhielt ich eine Absage, weil der Geldgeber abgesprungen war. So war das damals zur Zeiten der Dotcom-Bubble... Immerhin haben sie mir das Gehalt für so etwas wie 2 Monate bezahlt. So hatte ich einen maximal unglücklichen Einstieg ins Arbeitsleben und eine längere Jobsuche während einer Wirtschaftskrise. Letztlich hatte ich dann über Beziehunen meinen ersten Job in einer kleinen Multimedia Agentur in München gefunden, und habe ja dann später bei einer anderen Suchmaschine gearbeitet.

Das erzähl ich alles jetzt, weil gerade die Meldung kam, dass Ask ("Jeeves" wurde länger nicht mehr verwendet, weil sie offensichtlich keine Rechte hatten, den Namen zu nutzen) seine Geschäftstätigkeit eingestellt hat. Auf der Website gibt es noch eine melancholische Abschiedsnachricht:

 

Einerseits schade, andererseits hatte ich sie natürlich auch schon lange nicht mehr genutzt. Es gab zwar doch noch einen deutschen Dienst, aber erst 2006, lustigerweise genau zu der Zeit, als ich angefangen habe, bei Google zu arbeiten (, damals bzw. dort spielte Ask Jeebes aber nie eine große Rolle). In den USA waren sie längere Zeit als Nischenanbieter recht beliebt, das hat aber wohl nicht gereicht. Und letztlich war das Geschäftsmodell, Suchergebnisse von Menschen kuratieren zu lassen, auch nicht skalierbar.

Kulturtipp: Wenn ihr die Romane noch nicht kennt, schaut euch mal die Serie an: Jeeves and Wooster mit Hugh Laurie und Stehen Fry.