09 November 2025

Rotwein

Ich trinke ja gerne Wein, allerdings fast nur Weißwein. Zu Rotwein fehlt mir etwas der Zugang, einerseits weil deutsche Rotweine noch nicht so toll sind (, denke ich). Das größere Problem für mich ist aber, dass mir die Rotweine, die man bekommt, in 90-95% der Fälle zu warm sind, weil sie eben fast immer auf Zimmertemperatur serviert werden.

Das hab ich jetzt extra mal recherchiert: Je nach Wein sollte man Rotweine bei 12 bis max. 18°C trinken. Also Zimmertemperatur, aber nur, wenn man ein sehr kühles Zimmer hat (z.B. altes französisches Château). Weinkeller ginge natürlich auch, aber im Zeitalter der Zentralheizung sind Keller ja oft besonders warm.

Was also tun? Rotwein in den Kühlschrank stellen ist eine Option, das muss man aber genau timen, sonst wird er ja zu kalt. Die andere Option hatte ich ursprünglich in einem (sehr netten) Artikel über Joanna Mallwitz gelesen: Man kauft sich einen kleinen Weinkühlschrank (hat sie nämlich so gemacht)! Idealerweise haben die zwei Klimazonen, für Rot- und Weißweine. Meinen Weißweinen trau ich die unsachgemäße Kühlung im Kühlschrank einfach mal zu (etwas zu kalt, nehme ich an). Für Rotweine hab ich mir jetzt einen kleinen Weinkühlschrank angeschafft, der 6 Flaschen fasst und bis jetzt auf 16°C eingestellt ist. Natürlich reiner Luxus, aber: Wie kriegt man eine solche Temperatur sonst hin?


Also freut euch demnächst bei mir auf wohltemperierten Wein! 

In Rom wurde uns übrigens teilweise zimmerwarmer, teilweise gut temperierter Rotwein angeboten und einmal (in einer Osteria, die nicht auf die Liste kommt) sogar zimmerwarmer Weißwein...

Antike und Gentrifizierung

Wir hatten wieder eine schöne Zeit in Rom! Wir hatten uns Sorgen gemacht, dass es wegen des heiligen Jahres zu voll sein würde, das war insgesamt nicht so. Es scheint aber, als ob sich die Touristenströme zunehmend auf einzelne Hotspots konzentrieren (Fontana di Trevi, Kolosseum, Vatikan…) 

Sowieso haben wir diesmal vor allem antike Sehenswürdigkeiten besucht. Ich wollte sehr gern aufs Forum und den Palatin, wo wir lange (Palatin) bzw. sehr lange (Forum) nicht waren. Deshalb hate ich eine Führung für beides gebucht. War in Ordnung, aber etwas oberflächlich. Immerhin waren wir so mal wieder dort, das war sehr interessant. U.a. waren wir erstmals in der Kurie, in der der römische Senat getagt hat! Die war bis in die 1930er Jahre eine Kirche, stand dann lange leer und ist jetzt ein Veranstaltungsraum. Jedenfalls haben und wir uns vorgenommen, bald mal wieder alleine aufs Forum zu gehen. Nicht zuletzt gibt’s dort auch eine sehenswerte alte Kirche, Santa Maria Antiqua, die tolle Fresken haben soll (hatten wir keine Zeit für).

 Forum und...

 

... Kurie 

Außerdem waren wir in den Thermen des Caracalla, in denen es seit kurzem wieder Wasser gibt – in Form eines flachen Beckens, in dem sich die Ruinen der Thermen spiegeln. Sah schön aus, auch wenn das Wasserspiel (Fontänen) eher minimalistisch ist. 

Wir waren just am gleichen Tag auch in einer tatsächlichen Therme, dem Aqua Madre Hamam, was wohl das Nächste an einer römischen Therme ist, das man in Rom erleben kann. Dort geht man in ein normales Haus im Ghetto, wo sich im Keller unter alten Ziegelgewölben (die aussehen wie bei den alten Römern) ein Hamam mit Dampfbad (Caldarium) und Abkühlbecken (Frigidarium) befindet. Zwischendurch wird man mit einem rauen Handschuh massiert, um alte Hautzellen zu entfernen. Sehr angenehm, und vermittelt etwas vom Leben in der Antike (man soll offiziell dort still sein, die Römer:innen haben sich aber alle unterhalten, wohl in Fortsetzung der Tradition, dass man in der Therme geschäftliche und soziale Verhandlungen führt).


Caracalla-Thermen

Kirchen gab es auch wieder zu sehen, insbesondere San Clemente (der den Bogen zur Antike schlägt - es handelt sich nämlich um drei Gebäude übereinander, aus dem 1. (römisches Wohnhaus), 4. (frühe Basilika) und 12. Jahrhundert (neuere Basilika). Daneben die burgartige Santi Quattro Coronati, die spektakuläre Fresken aus dem 13. Jahrhundert beherbergt (wir konnten nur einen Teil mit Führung sehen). Überraschend viele Gebäude schienen wegen des Jubeljahres gerade renoviert zu werden - erstaunlich, dass man das nicht vorher gemacht hat.


 San Clemente: Mithräum im 2. Untergeschoss 

 

Trastevere 

Und wir haben wieder lecker gegessen, bei vertrauten und guten Lokalen (Pallaro, Baffetto) sowie bei einigen neuen. Vanda ist eine sympathische junge Trattoria in Trastevere, die nur etwas teurer ist, weil es keinen Hauswein gibt. Könnte aber auch ein Zeichen für die zunehmende Gentrifizierung sein, denn sie ist Teil einer kleinen Kette (lest mal die Geschichte auf der Website) und es gab auch anderswo Osterie die weitere Filialen aufgekauft haben, und sogar eine Kette von neuen Osterie. 

Andererseits ist man in der ewigen Stadt, und bis jetzt ist überhaupt erst eine Osteria von unserer Liste verloren gegangen. Bei Pallaro (huch, mit Website...) hängt dafür ein Zeitungsartikel an der Wand, in dem steht, dass es dort noch die richtige römische Küche gibt, die man sonst nirgends mehr bekommt – und der Artikel ist von 2000.

Pizza ai Funghi con Cipolla e Salsiccia 

11 August 2025

Färöer

Ich versuche ja, so wenig wie möglich zu fliegen. Daher war ich natürlich interessiert an der Fährverbindung nach Island. Die gibt es ab Hirtshals am Nordende von Dänemark und die Überfahrt dauert 3 Tage, mit Zwischenstopp auf den Färöer-Inseln. 

Dabei kommt man allerdings nicht in Reykjavik an, sondern am Ostende von Island, was in meinem Fall logistisch ziemlich unpraktisch war (heißt allerdings auch, dass man mit eigenem Auto anreisen kann und somit kein Mietauto bräuchte). So bin ich auf der Rückreise von Reykjavik auf die Färöer geflogen und nehme jetzt immerhin von dort aus die Fähre zurück, was immer noch einen Tag und zwei Nächte dauert.

Von den Färöern wusste ich vor allem zwei Dinge: Dass es dort ein Zwei-Sterne-Restaurant gibt (Koks) und einen Kreisverkehr unter dem Meer. Ersteres gibt es derzeit nicht mehr – die Räume wurden zu eng, so dass sie letztes Jahr nach Grönland gezogen sind. Dort haben sie aber auch geschlossen und versuchen jetzt weiterhin, neue Räume auf den Färöern zu finden. Die gleichen Leute haben aber zwei andere Restaurants eröffnet (Links auf ihrer Website).

Den Kreisverkehr gibt es natürlich weiterhin und ich hab es mir nicht nehmen lassen, extra mit dem Bus auf die nächste Insel und zurück zu fahren, um ihn anzuschauen. Sehr hübsch, aber auch nicht so spektakulär (Bus hält dort natürlich auch nicht an). Ein färingischer Künstler hat extra für den Tunnel einen Soundtrack komponiert, der aber stilecht nur über Radio (UKW) und LP zu hören ist. Somit war ich da raus.

Sonst sind die Färöer-Inseln aber sehr hübsch, interessant und auf alle Fälle einen Besuch wert! Die Hauptstadt Tórshavn ist wohl die regenreichste Hauptstadt der Welt...  Auf der Stadtführung hab ich glernt, dass es derzeit eine 27-jährige Bürgermeisterin gibt. Sonst scheint das Land eher konservativ zu sein, beziehungsweise in wichtigen Fragen immer genau 50:50 gespalten. Politik ist aber trotzdem kooperativ und inklusiv, weil zum Teil auch die Politiker unterschiedlicher Parteien direkt miteinander verwandt sind. Der Wirtschaft geht es gut und die Unabhängigkeit von Dänemark wird hochgehalten (so machen sie auch nicht beim europäischen Roaming mit).

Auf den Färöern lief gerade ein Festival mit einheimischer Musik, so dass ich in den Genuss zweier kostenloser Konzerte gekommen bin. Ansonsten kann man Wandern (wenn einen der häufige Regen nicht stört) und nette Museen besuchen.  

Tórshavn: Altstadt und...

...Stadtpark 

Ach so, Papageientaucher gibt's dort auch viele, insbesondere wohl auf Mykines. Die Fähre dorthin fuhr aber nicht wegen starken Seegangs. So habe ich eine verkürzte Tour gemacht und auch etliche gesehen, aber wiederum keine guten Fotos machen können.

Reykjavik

Meine Gruppenreise hatte nur einen halben Tag für Reykjavik eingeplant (und war etwas kurz für einen Haupturlaub), so dass ich sie individuell verlängert habe. So hab ich mir noch etwas mehr von der Stadt angeschaut und war einen Tag in der blauen Lagune.

Highlight war ansonsten Harpa, das relativ neue, spektakuläre Konzerthaus an der Hafenfront. Der Bau stand wegen der Finanzkrise eine Zeitlang auf der Kippe, wurde aber dann auf Staatskosten fertiggestellt. Der große Saal hat Nachhallkammern, um die Akustik zu verbessern. Die konnten wir auch besichtigen, und unsere Führerin hat dort ein Volkslied gesungen! Zur Zeit gibt es aber keine regulären Konzerte wegen Sommerpause... 

 

Harpa

Organist probt in der Hallgrímskirkja

Blue Lagoon: Riesiges Bad mit heißem Wasser, das gesunde Substanzen enthält, die ihm gleichzeitig die blaue Farbe geben, Hatte ich mich sehr darauf gefreut. Ist auch etwas Besonderes, reicht aber, einmal hinzugehen. Riesige Menschenmengen, praktisch keine Isländer. An dem Tag war es kalt, regnerisch und windig. Das Bad ist natürlich toll! Riesengroß, und man sieht sehr gut das Kraftwerk, dessen Abwässer hier gesammelt werden. Außerdem  Spuren eines kürzlichen Vulkanausbruchs – anscheinend ist der alte  Parkplatz unter meterhoher Lava versunken. 

Beim nächsten Mal würde ich mir aber lieber andere Bäder anschauen (es gibt neuere, kleinere Alternativen und  sowieso etliche kleine Bäder, die Touristen z.T. gar nicht finden würden. Reguläre Stadtbäder in Reykjavik haben z.B. auch heiße Pools... 

07 August 2025

Wale und Thingvellir

Das Whale Watching hat gut geklappt - wir sind von Akureyri aus in den dortigen Fjord gefahren, und da tummeln sich wohl immer einige Buckelwale, die dann auch auftauchen und sich gerne fotografieren lassen. Das Fotografieren hat sich als überraschend schwer erwiesen, außerdem hat meine Kompaktkamera, die ich extra für solche Zwecke dabei habe, während der Fahrt gesponnen. Zum Glück hat die Biologin, die uns die Wale gezeigt hat, auch recht gute Fotos gemacht:


Größere Wale gab's dann in Reykjavik im Walmuseum zu sehen, wenn auch nur im Modell (1:1). Anscheinend ist es aber wohl gut möglich, sogar Blauwale in Island zu sehen! Vielleicht beim nächsten Mal.

Als Gruppe sind wir zuletzt noch den "Golden Circle" abgefahren, das sind drei Hauptsehenswürdigkeiten, die günstigerweise nahe bei Reykjavik liegen. Dazu gehört der Geysir Stokkur (sein Bruder, der sogar Geysir heißt, liegt direkt nebenan, ist. aber nicht mehr aktiv) und ein besonders schöner Waserfall (Gullfoss). Am interessantesten war aber der Nationalpark Thingvellir.

Verkürzt gesagt, liegt Island genau an der Grenze zwischen der nordamerikanischen und der europäischen Kontinentalplatte, und die Insel ist erst in geologisch jüngerer Vergangenheit (18 Millionen Jahre) durch austretendes flüssiges Gestein entstanden. Der mittelatlantische Rücken verläuft mitten durch die Insel (, so dass man argumentieren könnte, dass ich gerade in Nordamerika bin...).

Mitten an dieser Bruchstelle haben die alten Isländer ab dem Jahr 930 ihre Nationalversammlung (Thingvellir) abgehalten, die damit den Anspruch erhebt, eines der ältesten Parlamente der Welt zu sein. Ganz zufällig haben sie die Stelle wohl nicht gewählt, denn in dem Graben ist man gut vor den Elementen geschützt - was wir gleich live ausprobieren konnten, denn es war etwas regnerisch:

01 August 2025

Farben Islands

Wir sind schon relativ weit mit unserer Rundreise, im Moment sind wir für drei Nächte in Akureyri, der Hauptstadt des isländischen Nordens. Hier kann man gut essen und hoffentlich auch Wale beobachten (Plan für heute Abend). Ansonsten ist es ziemlich ruhig. Das Wetter war die meiste Zeit recht sonnig, wie ihr an den Bildern seht:

Diamond Beach 
 
Ausläufer des riesigen Vatnajökull-Gletschers
 
Steinsammlung in den Ostfjorden
 
Kältewüste im Hochland (10°C)

Regenbogen beim Dettifjoss-Wasserfall
 
brodelnde Schwefelschlammtöpfe, bei Myvatn
 

29 Juli 2025

In Island

Island war schon länger auf meiner Reiseliste, weil mir im Laufe der Zeit mehrere Weltreisende erzählt haben, dass es schönste Land war, dass sie je gesehen hatten. Da ich ja auch dabei bin, die nordischen Länder besser kennen zu lernen, freue ich mich, dass ich es dieses Jahr endlich dorthin geschafft habe.

In Island ist es mehr oder weniger Pflicht, eine Reise im Kreis um die Insel herum zu machen (~1.400 km). Da ich das nicht alleine machen wollte, habe ich mich einer Reisegruppe von Studiosus angeschlossen, mit denen ich zuletzt Anfang des Jahrtausends gereist bin. Hat den Vorteil, dass man sich um nichts kümmern muss, überall hingefahren wird und gleichzeitig noch eine kompetente Reiseführerin dabei hat.

Wetter war erst angenehm und sonnig (16 °C), jetzt wird es etwas kühler und regnerischer. 

Skogafoss: berühmter Wasserfall

am ersten Tag abgehakt: Papageientaucher 

Wanderung im Vatnajökull Nationalpark

19 Juli 2025

Workation bzw. Cooclation in Bad Gastein

Den Begriff Workation gibt's ja schon länger: Man arbeitet dort, wo andere Urlaub machen. Grundsätzlich kein Problem für Leute wie mich, die remote arbeiten. Relativ neu (zumindest als Begriff) ist die "Coolcation": Man macht da Urlaub, wo es kühl ist. Ich versuche jetzt beides zu kombinieren, indem ich von dort arbeite, wo es kühl ist. Das auch nicht nur aus Luxus, sondern weil ich bei Hitze wirklich nicht klar denken kann.

Die Idee dazu entstand letztes Jahr, vermutlich auf der Hardangervidda. Da die Unterkünfte dort aber sehr selbstbewusst bepreist sind, hab ich mich erstmal woanders umgeschaut. Der bisherige Ansatz war, nach hochgelegenen Orten zu schauen. Da gibt es ja welche, das sind dann aber Wintersportorte, wo man im Sommer froh sein muss, wenn ein Bus fährt und man Lebensmittel kaufen kann. Als Kompromiss bin ich auf Bad Gastein gestoßen, das zwar nicht irre hoch liegt, aber relativ mild sein soll. Außerdem fließt ein Wasserfall durch den Ort!

 

Bad Gastein hat einen längeren Niedergang hinter sich, ist jetzt aber dabei, sich zu regenerieren. Ist auf alle Fälle ein hübscher Ort, und es gibt schöne Thermen und ein paar gute Restaurants (vielleicht gönne ich mir noch das Weitmoser Schlössl?). 

Blick aus dem Fenster meiner Ferienwohnung 

Tatsächlich war es hier die ganze Woche schön mild und es ließ sich gut arbeiten - nur dass es in Berlin auch mild gewesen wäre. In der Hitzewoche Anfang Juli, als es in Berlin 37° C hatte, hatte es hier immerhin auch 33° C. Also auf längere Sicht wohl doch nicht ideal als Sommerfrische.

Richtig kühl wird's voraussichtlich in einer Woche, wenn meine Coolcation in Island losgeht.

12 Juli 2025

Arena di Verona

Ich habe die kurze Lücke zwischen der Konferenz und meiner nächsten Station mit einem Kurzaufenthalt in Verona gefüllt, wo ich es endlich geschafft habe, eine Oper in der Arena zu sehen! Konkret gab es La Traviata

Gefühlt kenne ich nur Leute, die entweder mit Oper nichts anfangen können und deshalb nicht in die Arena di Verona gehen, und Leute, die Oper lieben, aber nicht in die Arena di Verona gehen, weil sie das nicht für richtige Oper halten. Beiden Gruppen sei trotzdem ans Herz gelegt, mindestens einmal zu gehen - es ist schon ein tolles Erlebnis, in dem alten Amphitheater eine Oper zu hören. 

Auch wenn ein Teil der Ränge gar nicht genutzt wird, scheinen immer noch bis zu 15.000 Leute in die Arena zu passen. Die günstigsten Sitzplätze sind direkt auf den römischen Steinstufen - ich hab mir aber einen richtigen Sitz gegönnt. Dabei saß ich relativ weit weg von der Bühne (s. Foto), konnte aber trotzdem alles gut hören, auch wenn es keine Mikros und Verstärker gibt! Die Qualität von Inszenierung und Gesang können andere besser beurteilen, aber mir hat es gefallen und ist auch nichts negativ aufgefallen. 

Am Schluss kam sogar noch der Mond raus:

Und das Wetter? Hat auch mitgespielt, aber es war spannend. Abends hatte es 29° C und war schwül. Kurz vor Beginn hat es sogar etwas getröpfelt, während der Aufführung aber gar nicht, und es ist auf 22°C abgekühlt (fühlte sich wegen Wind kühler an - in der Arena wurden Decken verkauft).

Also ja, geht mal hin! Hier sind die Pläne für 2026

10 Juli 2025

Venedig (bzw. Mestre)

Ich war von Sonntag bis heute auf einer Konferenz in Venedig, bzw. genauer gesagt in Mestre. Die war sehr nett, nicht besonders groß, aber mit einer hohen Vielfalt an Themen. Außerdem wird sie absichtlich an schönen Orten abgehalten und so gelegt, dass man auch Zeit hat, sie sich anzuschauen (mein Paper gibt's hier). 

Sehr viel Sightseeing hab ich gar nicht gemacht, aber am Dienstag bin ich mit Kollegen quer durch Venedig gefahren, um in meiner dortigen Lieblingsosteria zu essen. Gut war's wieder!


 Sonnenuntergang,
 

Essen mit Kollegen und...
 

Venedig bei Nacht

Die Lücke zwischen Konferenz und Bad Gastein fülle ich in Verona, wo ich morgen hoffentlich La Traviata sehen werde...

06 Juli 2025

Hitzefrei?

Ich hab den Termin für meine sechswöchige Klimaflucht aus Berlin zumindest gut gelegt, denn gerade gab es wieder richtig heiße Tage dort. Der Plan, als erstes in den bayerischen Wald zu meinen Eltern zu reisen, war auch grundsätzlich gut. Ich hatte dort eine Woche Urlaub und hab versucht, die Landschaft zu genießen, ein paar mal gut zu essen und ein paar Freunde zu treffen.

Hat auch teilweise funktioniert, allerdings war es hier nur ca. 1° kälter als in Berlin, also ebenso heiß. Etwas ernüchternd, wenn man bedenkt, dass es hier früher "a dreiviertel Jahr Winter und a viertel Jahr kalt" gewesen sein soll. Und schlecht für mich, weil ich gemerkt habe, dass ich bei der Hitze nicht mehr klar denken konnte. Aber es stehen noch kühlere Orte bevor. 

 

Sommer in Kriseszell

 

Oedenturm: gutes Essen!

 

Waldbahn: klimatisierte Fahrt durch... 

 

"...bayrisch Kanada"

Wenn es also heiß wird, hat man in Deutschland nicht wirklich viele Orte, an die man sich flüchten kann. Und wenn man davon ausgeht, dass es eher nur noch heißer wird, könnte man sich ja mal überlegen, was man dagegen tun kann. Z.B. im Städtebau. In Berlin hat man gerade versäumt, den neu gestalteten Gendarmenmarkt auch zu begrünen (dafür entspricht er wohl einem historischen Vorbild). Jetzt läuft ein Volksentscheid an, der sich für mehr Bäume und Grünflächen einsetzen wird. Immerhin.

In Österreich gibt es noch eher kühlere Orte, wobei da dann meist die Infrastruktur fehlt. In Kühtai hatte es diese Woche um die 20°C, das ist aber ein Wintersportort, mit entsprechend schlechter Infrastruktur im Sommer. In zwei Wochen bin ich dafür in Bad Gastein ( derzeit 24°C) - wird sich zeigen, wie sich das bewährt. Und danach in Island, da ist es sicher kühl :-)

09 Juni 2025

Gute Beziehungen über alles

Die Süddeutsche Zeitung, mit der ich aufgewachsen bin, ist jetzt eine Partnerschaft mit The Atlantic eingegangen, so dass sie pro Woche vier Artikel des Atlantic teilen. Passt mir sehr gut, da ich den noch nie groß gelesen hatte. Außerdem gibt es neben den aktuellen Gruselgeschichten normalerweise jede Woche einen leichteren, philosophischen Beitrag wie diesen: "Why Are Young People Everywhere So Unhappy? Here’s the answer to that - and what we can do about it" (oder lest gleich das Original).

Während junge Leute also früher glücklicher waren als mittelalte, ist das heutzutage nicht mehr unbedingt so. Anstatt sozialen Medien die Schuld zu geben, weisen Studien (und der Artikel) darauf hin, dass die Säkularisation zu einem Mangel an Kontakten und Sozialkapital führt. Außerdem scheinen Menschen in reicheren Ländern öfter ein Gefühl der Sinnlosigkeit zu empfinden. 

Erfreulicherweise gibt der Artikel drei Empfehlungen, wie man weniger unglücklich wird: 

1. Put close relationships with family and friends before virtually everything else. Where possible, avoid using technological platforms for interactions with these loved ones; focus on face-to-face contact. Humans are made to relate to one another in person.

2. Consider how you might develop your inner life. (...) let’s define spirituality broadly as beliefs, practices, and experiences not confined to organized religion—even a philosophical journey that can help you transcend the daily grind and find purpose and meaning.

3. Material comforts are great, but they’re no substitute for what your heart truly needs. Money can’t buy happiness; only meaning can give you that.

Damit kann ich mich gut identifizieren, auch wenn ich weiterhin nicht religiös bin. Insbesonder 1) würde ich unterschreiben. Nachdem ich an so vielen verschiedenen Orten geliebt habe, freue ich mich, dass ich an allen Orten noch gute Kontakte habe, und gebe mir sowieso Mühe, die auch zu pflegen. Das mache ich jetzt vielleicht noch etwas mehr...

11 April 2025

Metropolen-Reise

Ich war eine Woche im Urlaub in Paris und London (mit Zwischenstopp in Köln auf dem Rückweg). Anlass war eigentlich, dass ich es endlich geschafft hatte, den Nachtzug von Berlin nach Paris zu buchen und mich darauf gefreut hatte. Wegen Bauarbeiten wurde der allerdings schon im Vorfeld abgesagt, sodass ich zumindest Zeit hatte, auf den neuen, direkten Tagzug umzubuchen.

Der ist auch nicht sclecht, er fährt mittags in Berlin los und man ist um 20 Uhr, also pünktlich zum Abendessen, in Paris (= kann man öfter mal machen...). Es war frappierend, wie viele gute Restaurants es dort gibt, und wie einfach man einen Platz bekommt (sehr schön: 52 Fbg St Denis, in Laufweite zum Gare de l'Est).


auch lecker: Le Réveil Du 10eme, Ecklokal ohne Website

Außerdem war es schön, die Stadt nochmals mit kühlem Kopf anzuschauen, denn als ich 2023 im Sommer da war, war es doch viel zu heiß.

wieder da: Notre Dame!

In London bin ich immer wieder gerne und hab auch noch ein paar nette Bekannte, die ich getroffen habe. Ansosten hab ich von der LSE eine Alumni-Card bekommen, mit der ich jetzt die Bibliothek und diverse Arbeits-Bereiche am Campus nutzen kann. Nice!

 

Waterloo Bridge 

Aus Zeitmangel war ich nur bei einer Lieblingsbuchhandlung (Foyle's), hab von dort aber jede Menge Anregungen (und einige Bücher) mitgenommen. Geht mal in eine große physikalische Buchhandlung, wenn es die in eurer Nähe noch gibt!

neue Ideen bei Foyle's (kauft nicht bei Amazon!)

Weiteres Highlight war, dass ich es zum ersten Mal in The Mousetrap von Agatha Christie geschafft habe! Das Stück zählt trotz Covid-Pause immer noch als das am längsten durchgehend gespielte Stück der Welt (und hält diesen Rekord seit 1957...). War tatsächlich super! Ich hatte Sorge, dass nur Touristen gehen, es waren aber auch viele Londoner da, die ersichtlich Spaß hatten. Genau wie die Schauspieler - die werden wohl jedes Jahr ausgewechselt, so dass keine Ermüdungserscheinungen auftreten...

The Mousetrap


07 April 2025

Social Media wie in den Nullerjahren

Neulich kam eine Freundin zu Besuch und wir haben eine interessante Unterhaltung geführt. Sie hat erzählt, was bei ihnen so los war (Katze gestorben/ sie überlegen, den Dachboden auszubauen/ ...) und empfahl einen obskuren Komiker sowie ein interessantes Buch. 

Danach dachte ich, dass es toll wäre, wenn man solche Unterhaltungen auch mit mehren Leuten führen könnte, die gerade nicht am selben Ort sind. Gibt's da nicht was?

Gab es zumindest mal: Die klassischen sozialen Medien wie Facebook und Twitter in den Nullerjahren, bevor dort Monetarisierung, Polarisierung und Optimierung auf Reichweite überhand genommen haben. Das würde ich jetzt gerne wieder aufleben lassen. 

Also FÜR

  • Updates, was man gerade so macht
  • Empfehlungen: interessante Links, Bücher, Videos, ...?, Ressourcen 
  • Vernetzung mit tatsächlichen Bekannten

und GEGEN

  • Polarisierung
  • Monetarisierung
  • optimierte Reichweite (Hashtags?, ...)

Das versuche ich jetzt seit ein paar Wochen drüben bei berlin.social (siehe auch die Spalte rechts 👉). Das Ganze läuft auf Mastodon, einem dezentralen, nichtkommerziellen sozialen Netzwerk mit deutschen Wurzeln.

...und hier kommt ihr ins Spiel:

Das Ganze macht natürlich nur Spaß, wenn genug Leute mitmachen. Also bitte ich euch (und nette Leute, die ich andernorts treffe), das gleiche zu tun.

Kann das funktionieren?

23 März 2025

Geschwisterblog

Tatsächlich blogge ich hier jetzt schon seit über 19 Jahren… und mache das gerne auch weiter, weil es doch hilft, mit euch allen in Kontakt zu bleiben. Andererseits ist dieses Blog ja privat und z.B. nicht in der Google-Suche aufgeführt, was auch nicht passen würde.

So hab ich jetzt ein neues Blog eingerichtet, das stärker nach außen gerichtet ist und wo ich zukünftig Sachen teilen will, die vielleicht auch für Andere interessant sind. Schaut gerne vorbei, bzw. folgt auch dem neuen Blog:

https://florianallwein.com/blog/

Das neue Blog ist auf WordPress eingerichtet, was allenthalben als die beste Lösung für Blogs und Websites empfohlen wird. Ist es wahrscheinlich auch, aber hat eine ganz schöne Lernkurve. 

Wahrscheinlich ändert sich im Laufe der Monate noch einiges, aber ein Anfang ist zumindest mal gemacht. Und durch die Beschäftigung mit WordPress habe ich gelernt, wie wenig sich bei Blogger in den letzten 19 Jahren geändert hat... Bei Wordpress ist zwar alles komplizierter, dafür ist das System viel flexibler und bietet alle möglichen Erweiterungen an. Z.B. kann man das Blog per E-mail abonnieren - probiert es aus!

17 März 2025

Sommerpläne

Die Sommerhitze finde ich nach wie vor nicht so toll, und da ist ja nur noch immer heißer wird, entwickle ich zunehmend raffinierte Pläne, um der Hitze zu entkommen. Wenn heuer alles so klappt, wie ich es mir vorstelle, bin ich ca. sechs Wochen am Stück unterwegs und zumindest das meiste davon im kühleren Regionen. So kann ich dann auch meine Wohnung in Berlin untervermieten, was natürlich hilft, das Ganze bezahlbar zu gestalten.

Bis jetzt ist der Plan so:

  • ca. 28.6.-5.7.2025: Urlaub bei den Eltern in Kriseszell. Kommt gerne vorbei; allerdings gibt's bei uns keine Übernachtungsmöglichkeit (dafür aber in der Nähe).
  • ca. 6.-11.7.: Konferenz in Venedig (wenn sie meinen Beitrag annehmen...). Ok, wird möglicherweise nicht kühl sein.
  • 12.-26.7.: Workation in Bad Gastein – Das hat bei meiner hartnäckigen Recherche nach kühlen Orten, in denen es sich mal arbeiten lässt, überraschend gut abgeschnitten. Es ist wohl über 8° kühler als Berlin, vielleicht auch, weil ein Wasserfall durch den Ort geht. Sowieso muss Bad Gastein einen eigenen Reiz haben, der sich aus der Kombination von Niedergang der alten Bäderkultur und vielversprechenden Neuanfängen ergibt. Auch hier: kommt gerne mal vorbei, wenn ihr euch etwas abkühlen wollt!
  • 26.7.-12. 8.: Island mit Studiosus – Island ist mir von mehreren Weltreisenden als schönstes Land, dass sie besucht haben, empfohlen worden ... Deshalb hatte ich es schon länger auf der Liste und schaue es mir jetzt endlich mal an. Nach der Gruppenreise verlängere ich noch ein paar Tage und nutze diese unter anderem zu einem Abstecher auf die Färöer, von wo aus ich dann mit der Fähre nach Dänemark zurück reise. Theoretisch könnte man auch sehr gut ganz mit der Fähre nach Island reisen, dann kommt man aber am Ostende an, was zu logistischen Schwierigkeiten führt. Vielleicht beim nächsten Mal.

08 Februar 2025

Werder

Einer meiner Vorsätze fürs neue Jahr ist es, das Umland von Berlin mehr zu erkunden und Orte zu finden, wo man unkompliziert mal ein ruhiges Wochenende verbringen kann (dafür bisher nicht überboten: das Gästehaus im Kloster Benediktbeuern).

So war ich jetzt ein Wochenende in Werder an der Havel, das man als Berliner hauptsächlich wegen des jährlichen Baumblütenfests kennt, bei dem wohl die ganze Stadt kopfsteht. Im Januar war es sehr beschaulich, ich habe in einer schönen Ferienwohnung in der alten Saftfabrik gewohnt, war mal in der Therme (wo man nach der Sauna sogar in die Havel springen könnte) und bin auf den örtlichen Weinberg gestiegen. Also gerne mal wieder, andererseits gibt's auch noch ein paar andere Orte, die ich anschauen will. Als Nächstes bin ich in Neuruppin...

Saftfabrik 

im Ort 

Havel am Abend

06 Februar 2025

Stimmen für Morgen

Nach einer kleinen Pause bin ich seit November wieder Mitglied in einem Toastmasters-Club: Ich hab ganz in der Nähe einen sehr netten Club, die Meisterredner, gefunden. So freue ich mich einerseits, dass ich wieder toastmastern kann. Andererseits möchte ich auch versuchen, einen eigenen Club zu gründen.

Hintergrund ist, dass ich, wie wahrscheinlich wir alle, mir Sorgen über das Erstarken autoritärer Parteien mache, die die Grundwerte von Demokratie und Rechtsstaat in Frage stellen. Also hab ich mich gefragt, was ich dagegen tun kann, und kam darauf, dass ich als Toastmaster ja helfen kann, jungen Leuten, die in die Politik möchten, Rede- und Führungsfähigkeiten zu vermitteln. Das macht Toastmasters International ja inwischen seit 100 Jahren... und ich auch schon seit 2008.

Der neue Club soll sich slso an junge Leute in Politik und Zivilgesellschaft richten und ihnen helfen, demokratische Narrative zu stärken und positive Visionen für die Zukunft zu entwickeln. Das Konzept habe ich schon: https://stimmenfuermorgen.carrd.co/.

Das Ganze ist andererseits kein Selbstläufer, weil Toastmasters traditionell große Hemmungen haben, überhaupt über Politik zu reden. Deshalb wurde mein Antrag erst mal abgelehnt (das hat sich aber inzwischen geklärt). Jetzt suche ich nach erfahrenen Toastmaster:innen, die bei der Gründung mithelfen, und mache gerade eine kleine Runde durch die Berliner Clubs. Bleibt spannend.