23 Mai 2009

Das ist keine Hochzeitszeitung

Die Hochzeitszeitung für Saschas Hochzeit kam leider mangels Masse nicht zustande. An mir lag's nicht, und deshalb möchte ich meinen Beitrag hier zweitverwerten.


Der Sascha

Dass ich bei Saschas Geburt eine nicht ganz unwichtige Rolle gespielt habe, wisst ihr inzwischen wahrscheinlich eh alle (wenn nicht, fragt unsere Mutter). Durch das kleine Brüderchen hab ich zwar den unerquicklichen Status des kleinen Bruders verloren, diesen aber durch den nicht wesentlich besseren des mittleren Bruders eingetauscht.

Unsere Eltern wollten immer eine Tochter haben, und spätestens beim Sascha hätte es wirklich klappen sollen. Als das aber nichts wurde, hatte auch niemand ein Problem damit, und der Sascha hat die Rolle des kleinen Bruders eh immer überzeugender ausgefüllt, als ich es gekonnt hätte.

Seine Liebe zu Forschung und Technik zeigte er schon früh. Er konnte Stunden damit verbringen, alte Elektrogeräte auseinanderzunehmen und in postmoderne Kunstwerke zu verwandeln. Später hielt er sich ein Paar weiße Mäuse, die sich erst planvoll vermehrt haben, dann aber ausgebüxt sind und mühsam wieder eingesammelt werden mussten.

Die Mätzchen ausgetrieben haben sie ihm dann bei den Pfadfindern, die jahrelang seine zweite Familie waren. Nicht nur war der Sascha jahrelang auf jeder Fahrt dabei, er hat sich auch über die Jahre bis zum Stammesführer weiterentwickelt.

Unsere Wege trennten sich 1995, als ich zuhause ausgezogen bin und in England studiert hab. Interessanterweise haben wir uns danach besser verstanden als vorher – wahrscheinlich sind wir in der Zeit beide gereift. Jedenfalls sind wir drei Allwein-Buben (mit dem Maxi) schon bald gemeinsam durchs Münchner Nachtleben getingelt. Ich denke mit Freude zurück an wilde Schlagerparties im Titania und unsere legendären Poolparties.


Außerdem war der Sascha immer mein wichtigster Verbündeter im Kampf gegen den Diätwahn unserer Eltern. Ich erinnere mich noch gern daran, wie unser Vater einmal seinen Geburtstag mit einem vegetarischen Buffet gefeiert hat. Unsere Reaktion darauf war, auf dem Weg zur Feier erst mal bei "Burger King" vorbeizuschauen.

Die Mittel haben wir inzwischen verfeinert, und ich bin froh, in Sascha einen eifrigen Mitstreiter in Sachen Slow Food gefunden zu haben. Gar manche Stunde haben wir in urigen Wirtshäusern im Münchner Umland bei sagenhaft guten Schweinsbraten etc. verbracht. Besonders schön war es in der "Gotzinger Trommel", wo der Wirt für uns gegrillt hat und zum Essen seine Lebensphilosohphie aufgetischt und gleichzeitig störende Fliegen zerpatscht hat.

Meinen guten Rat, von München wegzuziehen und im Ausland zu studieren, konnte der Sascha aus verschiedenen Gründen nie befolgen. Aber immerhin hat er es während des Studiums bis nach Freising gebracht! Aus dieser Zeit sind wilde WG-Party-Geschichten überliefert – diese fanden aber bevorzugt unter der Woche statt, wenn ich keine Zeit hatte, weil ich schon wieder aus München weggezogen war.

Jedenfalls war ich nicht überrascht, als der Sascha es geschafft hat, ein glänzendes Diplom in Biologie hinzulegen. Gerade ist er dabei zu promovieren, und man darf gespannt sein.

Erstaunlicherweise war bis jetzt noch keine Rede von den Frauen. Was soll ich sagen? Dass der Sascha immer sehr leidenschaftlich war und in Beziehungen ganz aufgegangen ist? Dass sie ihm manchmal wichtiger waren als Schule, Pfadfinder oder Biologie? Jedenfalls ist er jetzt sehr glücklich mit der Lori, und so muss man sich nicht wundern, dass er sich entschieden hat, sie zu heiraten.

Jetzt bin ich also der letzte ledige Allwein-Bub und stelle fest, dass die fröhlichen Party-Jahre zu Ende gehen. Aber das muss ja nichts schlechtes sein. Liebes Hochzeitspaar: Ich wünsche euch beiden alles Gute und viele glückliche Jahre! Und dem Sascha wünsche ich besonders, dass er sich sein fröhliches, unbeschwertes Wesen erhalten kann und noch ab und zu Zeit hat, mit mir einen Schweinsbraten zu essen.

Flori

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