Höchste Zeit für ein Update zum neuen Beruf: Wie ist es, an der IU zu arbeiten?
Erstmal ist alles natürlich neu und ungewohnt, wie in jedem neuen Job. Das Setup „Professor/in im online-Studium“ ist aber ungewöhnlich genug, um einmal extra darauf einzugehen.
Zunächst mal ist die IU, meine neue Arbeitgeberin, zurzeit sehr erfolgreich und wächst wie verrückt. Seit kurzem ist sie die größte Hochschule für angewandte Wissenschaften in Deutschland (ca. 80.000 Studis). Daran hat das Fernstudium einen nicht unerheblichen Anteil. Die meisten Studis sind wohl berufstätig und studieren nebenher. Es gibt keine Semester, also kann man laufend mit dem Studium anfangen und jederzeit Klausuren schreiben.
Entsprechend gestaltet sich die Lehre anders als an regulären Hochschulen: Es gibt (derzeit) keine Lehrveranstaltungen im engeren Sinn. Die Studis lernen mit Lehrmaterialien, die ihnen von den ProfessorInnen zur Verfügung gestellt werden. Das ist im Prinzip gar nicht so anders als das, was ich in meinem eigenen Fernstudium (damals an der University of London) erlebt hatte – und die machen es seit über 150 Jahren so. An der IU gibt es zusätzlich noch Sprechstunden, in denen Studis Fragen stellen können, und einen Chat, in dem sie innerhalb von 24 Stunden (werktags) Antworten bekommen.
Entsprechend ist das Erstellen von Lehrmaterialien ein zentraler Teil der Tätigkeit (jemand meinte, die IU sei eine Hochschule mit eingebautem Verlag bzw. ein Verlag mit eingebauter Hochschule). Es gibt hunderte von Skripten zu Lehrveranstaltungen, die alle regelmäßig aktualisiert werden, und es kommen immer neue Sachen dazu – anscheinend hat die IU letztes Jahr mehr neue Studiengänge eingeführt als alle anderen deutschen Hochschulen zusammen! Ich bin gerade fast fertig mit meinem ersten Skript, Informatik und Gesellschaft (140 Seiten, hat Spaß gemacht). Zu den Materialien gehören neben den Skripten auch kurze Lehrvideos – ich erstelle demnächst welche.
Ab April steht mir eine neue Erfahrung bevor, da werde ich nämlich am Münchner Campus einmal die Woche einen Kurs unterrichten (Digitale Geschäftsmodele). So wird es erstmal nicht langweilig.
Nschteil ist natürlich, dass man von seinen Kolleginnen und Kollegen nicht viel mitbekommt. Aber zumindest habe ich für die Leute, die mit mir angefangen haben, eine wöchtenliche Kaffeerunde etabliert. Und sobald die Kontaktbeschränkungen mal vorbei sind, ist auch geplant, dass wir uns ein paar Mal im Jahr live treffen. Zumindest ist geplant, die Weihnachtsfeier irgendwann nachzuholen. Wär ich dabei...
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