16 Mai 2026

Ask (Jeeves)

Ich erzähle nicht mehr oft davon, weil seitdem so viel passiert ist, aber: mein erster Job nach dem Studium war tatsächlich bei einer amerikanischen Suchmaschine, die damals noch Ask Jeeves hieß. Im Jahr 2000 bin ich als einer von drei Deutschen nach einem Vorstellungsgespräch per Videokonferenz (!!) eingestellt worden, um Ihnen zu helfen, den deutschen Ableger zu etablieren. Ich hatte mich sehr darauf gefreut, weil es ein interessantes Konzept war (man stellt eine Frage und es gibt menschlich kuratierte Antworten dazu). Außerdem war und bin ich großer Fan der Jeeves-Romane von P.G. Wodehouse. Jedenfalls sollte ich erst für ein paar Monate zur Einarbeitung ins Silicon Valley kommen, danach würde in Deutschland das Geschäft aufgenommen.

Leider wurde nur nichts aus dem Ganzen: Nachdem ich meine Wohnung weiter vermietet und Abschied gefeiert hatte, erhielt ich eine Absage, weil der Geldgeber abgesprungen war. So war das damals zur Zeiten der Dotcom-Bubble... Immerhin haben sie mir das Gehalt für so etwas wie 2 Monate bezahlt. So hatte ich einen maximal unglücklichen Einstieg ins Arbeitsleben und eine längere Jobsuche während einer Wirtschaftskrise. Letztlich hatte ich dann über Beziehunen meinen ersten Job in einer kleinen Multimedia Agentur in München gefunden, und habe ja dann später bei einer anderen Suchmaschine gearbeitet.

Das erzähl ich alles jetzt, weil gerade die Meldung kam, dass Ask ("Jeeves" wurde länger nicht mehr verwendet, weil sie offensichtlich keine Rechte hatten, den Namen zu nutzen) seine Geschäftstätigkeit eingestellt hat. Auf der Website gibt es noch eine melancholische Abschiedsnachricht:

 

Einerseits schade, andererseits hatte ich sie natürlich auch schon lange nicht mehr genutzt. Es gab zwar doch noch einen deutschen Dienst, aber erst 2006, lustigerweise genau zu der Zeit, als ich angefangen habe, bei Google zu arbeiten (, damals bzw. dort spielte Ask Jeebes aber nie eine große Rolle). In den USA waren sie längere Zeit als Nischenanbieter recht beliebt, das hat aber wohl nicht gereicht. Und letztlich war das Geschäftsmodell, Suchergebnisse von Menschen kuratieren zu lassen, auch nicht skalierbar.

Kulturtipp: Wenn ihr die Romane noch nicht kennt, schaut euch mal die Serie an: Jeeves and Wooster mit Hugh Laurie und Stehen Fry. 

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