28 Juni 2026

In den Norden

In Swakopmund haben wir eine Katamaran-Fahrt in Walvis Bay gemacht. Das ist eine Bucht in der Nähe, in der sich der einzige Hochseehafen Namibias befindet (auch Anlaufstelle für Kreuzfahrtschiffe). Höhepunkt war dabei, dass ein paar Robben und Pelikane an Deck kamen und man sie streicheln konnte. Nachmittags sind wir durch die Stadt gelaufen, haben (zu viele) Bücher im deutschen Buchladen gekauft und sehr leckeren Apfelkuchen in Café Anton (ist wohl berühmt) gegessen.


Strandpromenande Swakopmund

Gestern sind wir lange durch die Gegend gefahren, weil es jetzt Richtung Norden geht. Namibia ist doppelt so groß wie Deutschland (hat aber nur 3 Mio. Einwohner) und wir klappern einen Gutteil des Landes in 2 Wochen ab, also gehört die Fahrerei dazu. Abends sind wir in einer Gästefarm angekommen, die von einer namibischen Familie mit deutschen Wurzeln geleitet wird. D.h. Ihre Vorfahren kamen im 19. Jahrhundert hierher. Unser Reiseleiter ist dagegen gebürtiger Deutscher und inzwischen Namibier, hat aber auch länger auf einer Farm gelebt, die sein Großvater gegründet hat, also verschwimmen die Grenzen zwischen den Nationalitäten ein bisschen. Es kam raus, dass die Gastfamilie seine Familie sogar kennt, denn anscheinend ist Namibia letztlich ein Dorf.

Aussicht zum G&T

Die Farm ist sehr schön und wir sind zum Sonnenuntergang auf eine Anhöhe gefahren und haben Gin & Tonic getrunken. Eigentlich war der Plan, dabei auch Wildtiere zu beobachten, die hatten sich aber fast alle versteckt. Dafür sind wir ab heute zwei Tage im Etosha-Nationalpark, da sollten wir das aufholen können.

Nachts ist es fast etwas kühl (9°C), tags soll es bis zu 27 °C werden...

25 Juni 2026

Zwei Tage Wüste, zwei Nächte Deutschland

Lodge war toll (Namib Desert Lodge) und es standen tatsächlich einmal drei Oryx-Antilopen ein paar Meter vor meinem Zimmer!

Wir haben am Mittwoch einen Ausflug in die Namib gemacht und dort das Deadlvlei und das Sossusvlei angeschaut („vlei“ ist der Fachausdruck für ‚Salz-Ton-Pfanne‘, eine Landschaftsformation in der Wüste). Deadvlei ist vielleicht von Bildern bekannt - es gibt da die berühmten roten Dünen und Kameldornbäume, die seit Jahrhunderten tot sind, aber nicht verfallen, weil es so trocken ist.

Nicht ganz ohne: Abstieg von der Düne

Außer in diesem Jahr: Es gab im April ungewöhnlich viel Regen, so dass große Teile der Wüste erblüht sind und im Sossusvlei Wasser stand. Das passiert wohl alle 20 Jahre, insofern war es gut getimt, dass wir jetzt hier sind. Zumindest Reste des Spektakels konnte man gut sehen. Es hatte wohl am Montag nochmal geregnet (auch sehr ungewöhnlich), dadurch war der Sand etwas nass, was es leichter gemacht hat, die Dünen im Deadvlei zu besteigen. Unser Reiseleiter hat uns sehr ermahnt, nicht ohne 2 Liter Wasser in die Wüste zu gehen. Die brauchten wir dann gar nicht, weil die Temperaturen nur in den oberen 20ern waren.

Sossusvlei sah besondern schön aus und es waren fast keine Leute unterwegs:

Mittwoch Abend sind wir dann ein kurzes Stück weiter gefahren zum Dune Star Camp. Das ist eine kleine Außenstelle der vorigen Lodge auf einer der roten Dünen. Hauptattraktion ist, dass man sein Bett auf die Terrasse rollen und unter dem Sternenhimmel schlafen kann. Sonst ist alles sehr einfach, es gibt keine Heizung, kein Internet und nur wenig Strom.

Allerdings war es nachts nur 10 °C und außerdem recht hell wegen Mond, so dass ich irgendwann doch nach drinnen umgezogen bin. Morgens kamen dann auch noch Wolken auf (ungewöhnlich…). War trotzdem ein tolles Erlebnis, den Sternenhimmel auf der Südhalbkugel zum ersten Mal richtig zu sehen. Auch tags ist es sehr schön dort.

Aussicht beim Frühstück

Heute war im Wesentlichen ein Fahrtag - wir sind ca. 5 Stunden nach Swakopmund gefahren. Das gilt als schönste Stadt Namibias und ist v.a. durch die deutsche Kolonialzeit geprägt. Wir sind in einem netten Guesthouse bei einer Gastgeberin, die auch deutsch spricht. Klima ist wechselhaft wegen des Atlantik, aber weiter sehr mild (heute 12 bis 16°C). Und das WM-Spiel läuft nachher wohl einfach so auf dem TV im Hotelzimmer.

Also fühlt es sich etwas so an, als ob wir zwei Nächte in Deutschland Pause machen, bevor das Namibia-Abenteuer weitergeht.

23 Juni 2026

in Namibia

Wir sind am Montag früh gut in Windhuk gelandet und seitdem in Namibia unterwegs! Ich bin mit meiner alten Freundin Cato unterwegs, die allerdings fotoscheu ist und deshalb nicht in den Bildern auftaucht. Wir reisen mit Chamäleon, einen Anbieter, den ich ja ausgerechnet über ChatGPT gefunden hatte. Seitdem kam raus, das mein vielreisender Cousin Mario auch mal mit ihnen in Namibia war und sehr geschwärmt hat…

Lässt sich auch tatsächlich gut an: Wir reisen in einer Gruppe von 12 Leuten mit einem Reiseführer, der zwar noch nicht mit Chamäleon gearbeitet hat (und deshalb einige Orte auch zum ersten Mal sieht), der aber schon lange im Land lebt und sich gut auskennt. Die Route ist so gewählt, dass man zumindest die wichtigsten Ecken von Namibia zu sehen bekommt. Außerdem waren wir zu Beginn in Windhuk gleich bei zwei sozialen Projekten, die von Chamäleon gefördert werden (Penduka, das Arbeitsplätze für benachteiligte Frauen schafft, die dann z.B. schönes Kunsthandwerk erstellen, und eine Grundschule). 

Windhuk ist interessant, aber nicht die schönste Stadt der Welt (wohl nicht einmal Namibias), so dass wir nur über Nacht dort waren und jetzt schon in der Namib sind. Das ist die älteste Wüste der Welt und ein erstes touristisches Highlight. In unserer Lodge gibt es ein eigenes Wasserloch, das nachts wohl interessante Tiere anlockt. Außerdem liegt sie gleich bei den roten Dünen, in denen wir uns morgen tummeln werden.


30 Mai 2026

Drei Stunden Kreuzfahrt

Ich bin in Hamburg und war gerade auf der kürzesten Kreuzfahrt der Welt - nämlich genau genommen einer Schiffsbesichtigung, die drei Stunden gedauert hat und zumindest ein leckeres Essen beinhaltet hat.

Ich hege ja immer noch den Gedanken, irgendwann mal eine große Kreuzfahrt zu machen, idealerweise als Weltreise, um möglichst viele der Ecken, die ich noch nicht gesehen habe, mal zu besuchen. Wenn man das recherchiert, landet man schnell bei Phoenix, einem deutschen Veranstalter, der wohl recht gute Routen im Angebot hat. Zumindest gut gebucht sind sie: Für eine Reise ab Dezember 2027 sind schon fast alle Kabinenkategorien ausgebucht...

Also muss das Ganze gut und langfristig vorbereitet werden. Da war es interessant zu sehen, dass man die Phoenix-Schiffe besichtigen kann, während sie im Hafen liegen. So kam es zu der heutigen Aktion. Die 55€, die der Spaß gekostet hat, würden mir sogar angerechnet, wenn ich mal eine Phoenix-Kreuzfahrt buche.

Mehr oder weniger zufällig hab ich mich für die Amadea entschieden, das kleinste Phoenix-Schiff (max. 594 Passagiere) und aktuelle ZDF-Traumschiff. Wirkt gemütlich und elegant, es gibt diverse Restaurants, ein Kino, eine Bibliothek und ein Deck, an dem man einmal ums Schiff laufen kann (370 m). Weniger spektakulär, aber auch entspannter als die AIDAnova, auf der ich damals war (5.000 Passagiere...). 

 

Bibliothek 

Zum Essen wurden wir fröhlich zusammengewürfelt und ich hab mich nett mit einigen Kreuzfahrt-Enthusiasten unterhalten. So hab ich gelernt, dass auch eine kurze Kreuzfahrt durch starken Seegang zunichte gemacht werden kann (ok, unsere nicht, aber mein Nachbar war 3 Tage auf Karibik-Kreuzfahrt) und dass das schönste Schiff die Europa ist. Insgesamt waren 120 Leute für die Besichtigung an Bord, durchaus gemischten Alters. Phoenix hat aber wohl einen Ruf dafür, viele ältere Leutchen an Bord zu haben, und es soll sogar Senioren geben, die ganz auf Kreuzfahrtschiffen leben, weil es billiger ist als Pflegeheim. Auch eine Option!

 

war sehr schmackhaft 

Die Besichtigung lief ansonsten so, dass man 3 Stunden lang frei auf dem Schiff herumlaufen konnte. Einige Kabinen in verschiedenen Preiskategorien waren extra für die Besichtigung geöffnet, während der Rest des Schiffes für die neuen Gäste hergerichtet wurde. So konnte man auch in ein paar Suiten schauen, die teilweise einen eigenen Whirlpool haben...

Wenn ihr mehr wissen wollt: Kuckt nicht "Traumschiff", sondern "Verrückt nach Meer" in der ARD - das spielt auf (anderen) Phoenix-Schiffen. 

Ansonsten habe ich heute Abend noch einen interessanten Landgang: Ich hab eine Karte für die Elbphilharmonie ergattert und höre dort englische Musik.

16 Mai 2026

Ask (Jeeves)

Ich erzähle nicht mehr oft davon, weil seitdem so viel passiert ist, aber: mein erster Job nach dem Studium war tatsächlich bei einer amerikanischen Suchmaschine, die damals noch Ask Jeeves hieß. Im Jahr 2000 bin ich als einer von drei Deutschen nach einem Vorstellungsgespräch per Videokonferenz (!!) eingestellt worden, um Ihnen zu helfen, den deutschen Ableger zu etablieren. Ich hatte mich sehr darauf gefreut, weil es ein interessantes Konzept war (man stellt eine Frage und es gibt menschlich kuratierte Antworten dazu). Außerdem war und bin ich großer Fan der Jeeves-Romane von P.G. Wodehouse. Jedenfalls sollte ich erst für ein paar Monate zur Einarbeitung ins Silicon Valley kommen, danach würde in Deutschland das Geschäft aufgenommen.

Leider wurde nur nichts aus dem Ganzen: Nachdem ich meine Wohnung weiter vermietet und Abschied gefeiert hatte, erhielt ich eine Absage, weil der Geldgeber abgesprungen war. So war das damals zur Zeiten der Dotcom-Bubble... Immerhin haben sie mir das Gehalt für so etwas wie 2 Monate bezahlt. So hatte ich einen maximal unglücklichen Einstieg ins Arbeitsleben und eine längere Jobsuche während einer Wirtschaftskrise. Letztlich hatte ich dann über Beziehunen meinen ersten Job in einer kleinen Multimedia Agentur in München gefunden, und habe ja dann später bei einer anderen Suchmaschine gearbeitet.

Das erzähl ich alles jetzt, weil gerade die Meldung kam, dass Ask ("Jeeves" wurde länger nicht mehr verwendet, weil sie offensichtlich keine Rechte hatten, den Namen zu nutzen) seine Geschäftstätigkeit eingestellt hat. Auf der Website gibt es noch eine melancholische Abschiedsnachricht:

 

Einerseits schade, andererseits hatte ich sie natürlich auch schon lange nicht mehr genutzt. Es gab zwar doch noch einen deutschen Dienst, aber erst 2006, lustigerweise genau zu der Zeit, als ich angefangen habe, bei Google zu arbeiten (, damals bzw. dort spielte Ask Jeebes aber nie eine große Rolle). In den USA waren sie längere Zeit als Nischenanbieter recht beliebt, das hat aber wohl nicht gereicht. Und letztlich war das Geschäftsmodell, Suchergebnisse von Menschen kuratieren zu lassen, auch nicht skalierbar.

Kulturtipp: Wenn ihr die Romane noch nicht kennt, schaut euch mal die Serie an: Jeeves and Wooster mit Hugh Laurie und Stehen Fry.